Luciano de Crescenzo : Also sprach Bellavista (Kapitel: Der Mittelweg)
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Vielleicht rede, denke und handle ich ja nur gerade so, wie andere wollen, daß ich rede, denke und handle? Die Macht zwingt sich einem im allgemeinen doch immer auf: entweder es geschieht in klar erkennbarer Weise wie im Falle einer Diktatur oder es geschieht auf versteckter Weise, das heißt raffiniert verpackt.[...]Die Wahrheit ist, daß wir selber die Macht hervorbringen. Wir selber setzen mit unserem Machtstreben Milliarden und Abermilliarden Machtmoleküle in die Welt, bis ein abstraktes, amoralisches und riesiges Monstrum entsteht, das anfängt, außerhalb von uns zu leben. Wie sollen wir es aufhalten? Wie uns dagegen wehren? Das ist gar nicht einfach. Weil die Macht uns nämlich schon von klein auf hörig gemacht hat und wir dann, als wir mit unserem Verstand allmählich die Wahrheit erkannten, bereits in einem fahrenden Zug saßen: im Zug unserer Gewohnheiten. Wochenende, Auto, die Dinge, die wir gekauft haben und die wir jetzt vor den Dieben schützen müssen, alle die Sachen also, die wir als zu unserem Lebensstandard gehörig betrachten und die uns daran hindern, von diesem Zug wieder abzuspringen. [...] müßte man einen stufenweisen Krieg gegen die Macht beginnen [...]
Ohne viel Aufhebens könnte man damit anfangen, heute auf einen Posten zu verzichten und morgen auf eine Medallie und auf diese Weise Millimeter für Millimeter auf der Achse der Freiheit vorankommen. Wenn eine Werbesendung im Fernsehen kommt, braucht man ja einfach nicht hinsehen. Oder wenn schönes Wetter ist, kann man sehr gut zu Fuß ins Büro gehen und das Auto stehen lassen. Es ist doch so, daß die Macht immer versucht, Einfluß auf die Massen zu nehmen, und daher ist es auch ziemlich einfach zu erkennen, was man meiden muß: man muß die Massen meiden oder besser gesagt die Gewohnheiten der Massen.
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