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5. Februar 2012  
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Oriana Fallaci : Ein Mann

[...]
"Aber die allerunglücklichste Zeit ist die Jugend. Weil du nämlich in der Jugend anfängst, die Dinge zu begreifen und merkst, daß die Menschen nichts taugen. Den Menschen liegt weder etwas an der Wahrheit noch an der Freiheit, noch an der Gerechtigkeit. Das sind unbequeme Dinge, und die Menschen finden sich in der Lüge, in der Versklavung und in der Ungerechtigkeit zurecht. Darin wälzen sie sich wie die Schweine. Das habe ich gemerkt, sobald ich in die Politik geriet. Man muß sich mit der Politik beschäftigen, um zu merken, daß die Menschen nichts taugen, daß ihnen Scharlatane, die Betrüger und die Drachen recht sind. Man beginnt sich mit der Politik zu beschäftigen voller Hoffnungen und wundervollen Absichten, indem man sich einredet, daß die Politik eine Pflicht und ein Mittel sei, um die Menschen besser zu machen, und dann merkt man, daß genau das Gegenteil der Fall ist, daß nichts in der Welt so verdirbt wie die Politik, nichts die Menschen um so viel schlechter macht, als die Politik es tut.[...]
Ich trank gern Orangensaft. Auch jetzt trinke ich lieber Orangensaft. Aber ich lernte das Weintrinken mit zwanzig Jahren, ich lernte es, mich zu besaufen, weil man im Suff besser weinen kann. Man erträgt es besser, daß die Menschen nichts taugen und daß man sie immer weniger mögen kann, je besser man sie kennt. Ich kann die Menschen nur lieben, solange es sich um Kinder oder um Alte handelt. Kinder mag ich gerne, Alte mag ich gerne, und ich hätte gerne nur für Kinder und Alte Politik gemacht. Denn für sie macht nie jemand Politik. [...]
Ich habe geglaubt, daß den Menschen Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit am Herzen lägen. Das war ein Irrtum. Ich habe geglaubt, daß sie etwas begreifen. Ich habe alles falsch gemacht. Wozu soll man leiden, kämpfen, wenn die Menschen nicht verstehen, wenn es ihnen gleichgültig ist?"
[...]