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1. August 2010  
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Jean Giono : Vom wahren Reichtum

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Wie das Grauen vor einem Abgrund, erstickt der Himmel mit einem Schlage die Lungen; er erlaubt nicht frei zu atmen. In dieser Stadt, in der die Menschen aufeinandergeschichtet leben, als habe man einen Ameisenhaufen zusammengefegt, trifft mich besonders stark ihre Verwaistheit, sie umhüllt mich mit Grabeskälte. Es ist das Gefühl einer entwürdigen Einsamkeit. ich habe den Eindruck, nicht eines dieser menschlichen Wesen beschäftigt sich mit natürlicher Arbeit. Ich fühle alles, wozu die Stadt sie zwingt. Sie sind äußerlich entstellt von der grausamen Substanz ihrer Umgebung.
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Alles rollt hier nach dem unerbittlichen Gesetz der Maschine ab. Die endlose Folge der Eisenbahnzüge versorgt die Heimstätten. Das Leben brennt unaufhörlich in den Leibern der Bewohner dieser Stadt, doch nicht mehr zur Freude an der Flamme, sondern zum Nutzen. Das Leben jedes einzelnen muß etwas hervorbringen; das Leben des einzelnen hat auch nicht mehr seinen rechtmäßigen Besitzer; es gehört einem anderen, der einem anderen gehört, der wiederum der Stadt gehört. Es ist eine endlose Kette von Sklaven; was erzeugt wird, zerstört sich selbst, ohne Freude und Freiheit zu schaffen. Wozu dient es also? Doch ich bin allein auf der Straße; ich spreche, und keiner hört mich. Keiner kann mich hören; denn die Männer und Frauen, die diese Stadt bewohnen, sind ein Teil dieser Stadt geworden; sie haben den Körper, der tierisch und göttlich zugleich ist, verloren. Sie sind zu Schrauben, Nieten, Blechscheiben, Kurbelstangen, Räderwerk, Lenkrädern, Riemen, Bremsen, Achsen, Kolben und Zylindern jener sinnloser Maschinen geworden, die sich unter Sirius, Aldebaran, Beteigeuze und Kassiopeia im Leerlauf dreht. Sie sind wie Stahlschuppen in den wichtigen Teilen der Maschine. Nie mehr werden sie sich der Freiheit nähren, nie mehr.
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Jetzt, während der Mensch schläft, ist er frei, und selbst im zivilisiertesten, verpolitisiertesten, dem von akademischen geschwächtesten, dem vor lauter Zivilisation widerlichsten aller Menschen brüllen dumpf die Eingeweide, die er nicht kennt. Könnte er sich jetzt sehen und begreifen, er wäre entsetzt über seine wirkliche Macht. Morgen wird er wieder als der Sklave "seiner Welt" erwachen, oder der Welt der anderen, die er aus Schwäche erträgt.
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