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1. August 2010  
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Ignazio Silone : vino e pane (Brot und Wein) - Brief an Christina

"Christina", schrieb er, "es ist richtig, daß man besitzt, was man hingibt, aber wem und wie soll man geben? Unsere Liebe, unsere Bereitschaft zum Opfer und zur Selbstverleugnung trägt nur Frucht, wenn sie in die menschlichen Beziehungen hineingetragen wird. Die moralischen Kräfte wachsen und gedeihen nur im praktischen Leben. Wir sind nicht nur für uns selbst verantwortlich, sondern auch für die anderen.
Wenn wir empfinden, daß um uns herum Böses herrscht, können wir nicht untätig bleiben und uns mit der Aussicht auf eine überirdische Welt trösten. Das Böse, das bekämpft werden muß, ist nicht das abstrakte Wesen, das man den Teufel nennt; das Böse ist all das, was Millionen von Menschen hindert, im wahren Sinne menschlich zu sein. Und dafür sind wir verantwortlich...
Ich glaube nicht, daß ein Mensch heutzutage eine andere Möglichkeit hat, seine Seele zu retten. Er rettet sie, wenn er seinen Egoismus als Person, als Familienmitglied, als Angehöriger einer bestimmten Kaste überwindet und wenn er sich von dem Gedanken frei macht, daß die Herrschaft des Bösen unabänderlich ist.
Liebe Christina, man darf nicht besessen sein von dem Gedanken der Sicherheit, nicht einmal der Sicherheit der eigenen Tugenden. Geistiges Leben und gesichertes Leben sind unvereinbar. Man muß wagen, um zu gewinnen."